Aufwertung der Pflege im DRG-System: gut gemeint, aber schlecht gemacht

Die Regierung hat die Pflege aus dem „DRG-System“ herausgelöst, schön für die Pflegenden, schlecht für das System, das dadurch eine Unwucht erhält wie beispielsweise ein Auto mit 3 statt 4 Rädern. Wenn man sich um das Personal im Gesundheitssystem sorgt, was prinzipiell löblich ist, dann darf man die anderen Berufsgruppen nicht außen vorlassen. Die Konsequenz aus der aktuellen Entwicklung wird sein, dass unter dem nicht nachlassenden, bzw. eher zunehmendem ökonomischen Druck systembedingte Einsparungen in den nicht-pflegenden Berufsgruppen der Kliniken vorgenommen werden (müssen). Vor dem Hintergrund eines Ärztemangels außerhalb der Metropolen und heute schon weit verbreiteter Unzufriedenheit mit den Arbeitsplätzen ist das eine mehr als schädliche Entwicklung, die das – politisch gewollte – Kliniksterben beschleunigen wird. Damit bewirkt die Politik durch die publikumswirksame Stärkung der Pflege die Beschleunigung der Bereinigung der Kliniklandschaft, ohne dies als politische Maßnahme ankündigen zu müssen.

Grundsätzlich könnten auch heute schon viele Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Bereich verlegt werden. Allerdings müsste man dafür entsprechende Versorgungsstrukturen schaffen und finanzielle Bestrafungen, wie sie im DRG-System üblich sind, durch finanzielle Anreize für die ambulante Leistungserbringung ersetzen.

Der BVGD schließt sich hier der Resolution des Marburger Bundes inhaltlich an, in der es heißt: “Die unterzeichnenden Verbände unterstützen die Intention des PflegepersonalStärkungsgesetzes. Mehr Personal in der Pflege ist das Gebot der Stunde. Die strenge Differenzierung zwischen Pflegekräften und dem übrigen nichtärztlichen sowie ärztlichen Personalbereich im Pflegepersonal-Stärkungsgesetz geht aber an der Realität vorbei und führt zu neuen Verwerfungen.”

Prof. Dr. med. Joachim Labenz, Vorsitzender BVGD

Weitere Links zum Thema

Resolution Marburger Bund

Artikel Ärzteblatt