Covid-19: Infizierte Gesundheits­fachkräfte sollen notfalls weiterarbeiten

Beim Deutschen Pflegetag im November 2020 äußerte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu möglichen Maßnahmen, sollte sich die Versorgungslage weiter verschlechtern. Demnach halte er es für möglich, im Notfall positiv auf SARS-CoV-2 getestete Mitarbeiter von Krankenhäusern, Arztpraxen oder Pflegeheimen weiterarbeiten zu lassen. Es sei zwar der beste Weg, dass Infizierte und Kontaktpersonen in Quarantäne blieben, “wenn [jedoch] wegen Isolation und Quarantänemaßnah­men so viele dann gar nicht mehr da sind, im Krankenhaus, in der Arztpraxis, in der Pfle­ge­einrichtung, dass die Versorgung zusammenbricht, muss man schauen, was ist neben der bestmöglichen Lösung die zweitbeste“, so Spahn.

Eine solche Empfehlung liegt von Seiten des Robert Koch-Instituts (RKI) bereits seit dem Frühjahr vor, betonte Spahn. Es müsse aber um absolute Notfall, bzw. Ausnahmesituationen gehen, wenn eine Versorgung ansonsten nicht mehr sichergestellt werden könne. Gleichzeitig betonte der Gesundheitsminister, dass dies nicht als Aufforderung an erkrankte Pflegekräfte zu verstehen sei, arbeiten zu gehen.

Spahns Aussage wurde kontrovers kommentiert, Unterstützung erhielt er unter anderem von den Ärztevertretern. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hält einen Einsatz infizierter Ärzte und Pfleger als letzte Maß­nahme für möglich. “Wenn es gar nicht anders geht, ist es immer noch besser, dass ein symptomfrei an CO­VID-19 erkrankter Arzt sich um einen Patienten kümmert, als dass sich niemand um ihn kümmert”, sagte Montgomery dem Sender Phoenix. Das sei ein sehr bedauerlicher Zu­stand, “aber es kann sein, dass es dazu keine Alternative gibt“. Er stellte klar, dass dieses medizinische Personal sich ausschließlich um COVID-19-Patienten kümmere. Montgomery lobte die Arbeit des deutschen Gesundheitsministers, Deutschland stehe – nicht zuletzt dank der Aufklärungsarbeit Spahns – im internationalen Vergleich zu allen anderen Industriestaaten am besten da. “Deutschland ist schon ein Leuchtturm, und das ist sehr Jens Spahn zu danken, der sehr früh angefangen hat, die Bevölkerung auf das vorzubereiten, was jetzt passiert“, erklärte er.

Kritisiert wurde Spahns Idee von der Stiftung Patientenschutz. „Coronainfizierte weiterarbeiten zu lassen, ist der politische Offenbarungseid. Der Geist der Konzertierten Aktion wäre tot“, so Eu­gen Brysch, Vorsitzender der Stiftung Patienten­schutz. Brysch mahnte einen Strategiewechsel weg von den standardmäßigen PCR-Corona-Tests und Quarantäneregeln in Kliniken und Heimen an und forderte “einen systematischen und täglichen Einsatz von Schnelltests bei allen Mitarbeitern in Krankenhäusern und Heimen“.

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