Darmkrebs-Screening Umsetzung des G-BA bleibt hinter Forderungen des Positionspapiers

Der G-BA hat die Neuregelung der Darmkrebsvorsorge beschlossen. Kernstück des neu organisierten Programms ist das strukturierte Einladungsverfahren, durch das mehr Menschen als bisher erreicht werden sollen.

Der BVGD und die DGVS hatten zusammen mit der Felix Burda Stiftung, weiteren Fachgesellschaften, Berufsverbänden und weiteren Organisationen ein Positionspapier verabschiedet mit klaren Forderungen und Empfehlungen für eine sinnvolle Umsetzung des geplanten organisierten Darmkrebs-Screenings in Deutschland.

Immerhin wurden daraus die Herabsenkung des Alters bei Männern von 55 auf 50 Jahre für die Inanspruchnahme von Vorsorgekoloskopien, sowie die Einführung eines organisirten Einladungsverfahrens übernommen. Das Thema Sonderstatus bei Menschen mit familiärem Risiko wird jedoch nicht berücksichtigt, trotz entsprechender Studienergebnisse, die ein 1,7-4,1-fach höheres Darmkrebs-Risiko belegen bei bekannten Fällen in der Verwandtschaft ersten Grades.

Insbesondere aber die Forderungen des Positionspapieres zur konkreten Ausgestaltung der geplanten systematischen Einladungen zur Vorsorge wurden mehr oder minder komplett ignoriert. Für die Fachgesellschaften ist das zentrale Anliegen, durch das Screening-Programm möglichst viele Menschen vor einem Tod durch Darmkrebs zu bewahren. Dazu müssen nach unserer Meinung nicht nur systematisch Einladungen an anspruchsberechtigte Versicherte versandt werden, sondern auch die Barriere zur tatsächlichen Teilnahme so niedrig wie möglich angesetzt werden.

Die Forderungen des Positionspapieres lauteten daher:

  1. Der Einladung sollte ein zertifizierter und zugelassener quantitativer immunchemischer Test (iFOBT-Test) beigelegt werden.
  2. Der Einladung sollte ein vorfrankierter Rücksendeumschlag beigelegt werden.
  3. Der Einladung sollte eine Liste mit für die Vorsorgekoloskopie zugelassenen Ärzten aus der Region beigelegt werden.
  4. Nach sechs Wochen sollte eine Erinnerung versandt werden.

Mit ähnlichen Maßnahmen konnten es beispielsweise die Niederlande schaffen, seit 2014 eine stabile Teilnahmerate von rund 70% zu erreichen. in Deutschland liegt die Rate derzeit bei 15 %. Zu den Forderungen sagt Dr. Christa Maar, Vorstand der Felix Burda Stiftung: „Das sind alles Dinge, die, würden sie umgesetzt, deutlich zu einer erfolgreichen Umsetzung des Screening Programms beitragen würden. Doch der Gemeinsame Bundesausschuss hat aus welchen Gründen auch immer entschieden, sie nicht zu berücksichtigen. […] Mein Eindruck: Die Fachgesellschaften werden zwar zu Stellungnahme aufgefordert, doch was sie zu sagen haben interessiert nicht. Nicht einmal dann, wenn alle Fachgesellschaften sich, was selten genug vorkommt, auf ein gemeinsames Konzept geeinigt haben, wie man der Darmkrebsvorsorge zum Erfolg verhelfen könnte.

Auch der Vorsitzende des Berufsverbandes Gastroenterologie Deutschland, Prof. Dr. med. Joachim Labenz aus Siegen, der für den BVGD und die DGVS federführend an der Erstellung des Positionspapieres beteiligt war, teilt die Verständnislosigkeit für die Entscheidung des G-BA: „Leider hat der G-BA eine sehr abgespeckte Version verabschiedet. Viele der [im Positionspapier] gemachten Vorschläge wurden nicht umgesetzt.“ Weiter heißt es: „Innerhalb von 5 Jahren hat man es jetzt geschafft, die 2013 mit einer Umsetzungsfrist von 3 Jahren gesetzlich beschlossenen Anforderungen mit Herabsetzung der Altersgrenze für die Koloskopie bei Männern auf 50 Jahre und die Einführung eines Einladungsverfahrens umzusetzen. Leider wurden aber alle Expertenvorschläge zur Erhöhung der Teilnahmerate ignoriert. Es ist daher zu befürchten, dass das neue und vom Gesetzgeber gut gemeinte Gesetz trotz 5-jähriger Bearbeitungszeit zu nicht mehr führt als „alter Wein in neuen Schläuchen.

Zur Pressemitteilung des G-BA

Gemeinsames Positionspapier zur Stellungnahme DK-Screening