Dramatische Finanzlage in Deutschlands Krankenhäusern

So angespannt wie aktuell war die Situation der Krankenhäuser in Deutschland noch nie. Die finanziellen Einbußen der Corona-Krise verhindern dringend notwendige Investitionen in die Zukunft. Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Fast jedes zweite Krankenhaus in Deutschland (49 Prozent) hat im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben. Für das laufende Jahr sieht die Prognose vieler Häuser ebenfalls ernüchternd aus. Das berichtet die Unternehmensberatung Roland Berger nach einer Umfrage unter den 600 größten deutschen Kran­kenhäusern.

Roland Berger befragt im Rahmen der Krankenhausstudie regelmäßig Führungskräfte der größten Krankenhäuser nach ihrer Einschätzung der aktuellen Marktsituation, ihrer strategischen Ausrichtung und den Prognosen für die Zukunft. Doch derart schlechte Ergebnisse wie in diesem Jahr trugen die Experten noch nie zusammen: Die finanzielle Situation war noch nie so angespannt wie heute und die Studie zeigt, dass die 600 befragten Krankenhausmanager pessimistischer denn je in die Zukunft blicken.

So haben die Covid-Pandemie und die daraus resultierenden finanziellen Einbußen die Krankenhäuser in Deutschland in eine tiefe Krise gestürzt. Jedes zweite Haus (49 Prozent) schrieb im Jahr 2020 rote Zahlen. Während sich in der Vergangenheit zumindest private Krankenhäuser gegen Verluste stemmen konnten, scheint dieser Damm nun zu brechen: Mehr als jedes dritte befragte Privatkrankenhaus (38 Prozent) machte im vergangenen Jahr Verluste. Noch angespannter ist die Lage bei Kliniken in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft: In diesem Segment erwirtschaften etwa zwei von drei Krankenhäusern (63 Prozent) ein Defizit.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass sich auch der Ausblick auf zukünftige Ergebnisse weiter eintrübt: Fast alle Krankenhäuser – egal ob privat oder in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft – erwarten eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation in den nächsten fünf Jahren (83 Prozent). Befristete Erleichterungen, etwa durch das Krankenhausentlastungsgesetz, sorgten kurzfristig zwar für eine zufriedenstellende Liquiditätsreserve. Nach dem Auslaufen dieser Regelung im laufenden Jahr rechnet die Mehrzahl der Krankenhaus-Manager (52%) aber mit einem dynamischen Abschmelzen der Mittel und entsprechendem Handlungsdruck.

Auf den so genannten Rebound-Effekt, also auf das Nachholen der wegen der Covid-Pandemie aufgeschobenen Behandlungen und Operationen, hoffen viele Krankenhausmanager nicht mehr. Zudem setzen die ohnehin hohen und weiter steigenden Kosten für Material und Personal den Klinik-Haushalten zu.

Die Summe dieser Entwicklungen, so die Autoren der Studie, könnte den Fokus weg von strategisch wichtigen Weichenstellungen und Investitionen hin zu kurzfristigen Maßnahmen der Ergebnisverbesserung führen. Der Reformeifer der Krankenhäuser hat grundsätzlich zwar deutlich zugenommen – zwei von drei Häusern befanden sich 2020 in einer Phase der Ergebnisverbesserung – doch die großen Zukunftsthemen könnten aus dem Blick geraten. Das betrifft im Besonderen die Themengebiete Digitalisierung, Fachkräftemangel, Infrastrukturinvestitionen und Nachhaltigkeit.

So hält eine beachtliche Zahl der Kliniken (90 Prozent) der Studie zufolge das Thema Nachhaltigkeit für “relevant” oder „sehr relevant“. Gleichzeitig sind die befragten Krankenhausmanager aber nicht in der Lage, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Hoffnung setzen die Krankenhausmanager in den Ausbau des ambulanten Portfolios. Gleichzeitig wird das größte Potenzial immer noch im Ausbau der stationären Behandlungen gesehen – ein Potenzial, welches sich im aktuellen Marktumfeld nur für wenige Kliniken realisieren lassen dürfte.

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