Empfehlungen zur Durchführung von Atemtesten während der COVID-19-Pandemie

Experten der DGVS und des BVGD haben Empfehlungen zur Durchführung von Atemtesten während der COVID-19-Pandemie verfasst. Diese und weitere aktuelle Informationen und Empfehlungen wurden hier zusammengefasst.

Stand: November 2020

H2-Atemteste sind wichtige diagnostische Verfahren in der Gastroenterologie zum Nachweis einer Kohlenhydrat-Maldigestion. Neben dem Nachweis einer Lactoseintoleranz und auch Fruktosemalabsorption können sie auch zum Nachweis einer bakteriellen Fehlbesiedlung (SIBO) und zur Bestimmung der orozökalen Transitzeit eingesetzt werden. Abhängig von der Untersuchung werden nach der Ingestion der entsprechenden Substanz die Patienten gebeten, alle 10 – 30 Minuten in das Testgerät zu atmen. Die Untersuchung kann dabei zwischen 2 und 4 Stunden dauern.

Außerdem werden Atemteste als 13C-Atemtest zum nicht-invasiven Nachweis einer Helicobacter-Besiedlung im Magen verwendet. Dieses Testverfahren dauert nicht länger als 30 Minuten. Die Teste sind einfach, kostengünstig und bei der großen Zahl von Patienten mit unklaren Digestionsbeschwerden in der alltäglichen Praxis wichtig.

Durch das Auftreten der COVID-19-Erkrankung und die in allen Ländern exponentiell steigenden Infektionszahlen ist jegliche Methode, die potenziell eine Verbreitung des Virus fördert, bezüglich der Gefährdungssituation für andere Patienten und für das medizinische Personal zu überprüfen. Dabei muss das Infektionsrisiko gegen den therapeutisch / diagnostischen Nutzen, den die Methode erbringt, abgewogen werden.

COVID-19, hervorgerufen durch das SARS-CoV-2-Virus, wird in erster Linie durch Aerosole übertragen. Während der Durchführung des Atemtests ist prinzipiell von der Bildung entsprechender Aerosole auszugehen, so dass ohne weitere Schutzmaßnahmen eine Infektionsgefährdung für die durchführende Assistenzperson bestehen kann. Auch bei entsprechenden Schutzmaßnahmen des Personals (FFP2-Maske, Schutzbrille/Visier, Kittel, Handschuhe) muss davon ausgegangen werden, dass nach der Durchführung des Tests das potenziell infektiöse Aerosol noch für einige Zeit in dem Untersuchungsraum verbleibt. Hierbei ist auch die Raumsituation in den Warte- und Untersuchungsräumen (Größe, Abstände, Lüftung) von Bedeutung.

Die Verbreitung infektiöser Aerosole kann bei manchen, aber nicht allen Atemtestsystemen durch den sachgerechten Einsatz Bakterien- und Viren-dichter Filter verhindert werden. Zudem werden bei bestimmten Messverfahren die Atemproben in geschlossenen Beuteln gesammelt, häufig unter zusätzlicher Verwendung von Filtern. Auf ein niedriges Infektionsrisiko weisen zudem ein negativer SARS-CoV-2-Schnelltest und insbesondere ein negativer PCR-Test eines Nasen-Rachen-Abstrichs hin, wobei diese Tests möglichst nicht älter als 48 Stunden sein sollten. Darüber hinaus ist die Etablierung definierter Untersuchungs- und Reinigungsprozeduren zur Reduktion des Infektionsrisikos für Patienten und Mitarbeiter*innen erforderlich, um das Infektionsrisiko bei der Durchführung der Tests zu minimieren.

Die Durchführung von Atemtests sollte aufgrund des derzeitigen Anstiegs der Infektionen kritisch hinterfragt und für jeden Einzelfall überprüft werden Die Schutzmaßnahmen sollten zuverlässig gewährleistet sein. Die ärztliche Entscheidung ist im weiteren Verlauf der Pandemie in Abhängigkeit von der Inzidenzrate in einer Region erneut zu bewerten.

Die Empfehlungen wurden verfasst von Dr. Gero Moog, PD Dr. Jutta Keller, PD Dr. Petra Lynen-Jansen, Prof. Dr. Frank Lammert, Dr. Ulrich Rosien, Prof. Dr. Till Wehrmann und Prof. Dr. Heiner Wedemeyer.

Wichtige aktuelle Informationen zur Covid-19 Pandemie finden Sie jederzeit auch auf der Seite der DGVS:

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