Eskalationsspirale zwischen Kassen und Kliniken

Der Bundesrechnungshof (BRH) sieht Krankenhäuser und Krankenkassen im Streit um möglicherweise falsche Krankenhausabrechnungen in einer Eskalations­spirale gefangen. Das berichtete am 21. Mai das Ärzteblatt und beruft sich dabei auf einen Bericht des BRH, der dem Ärzteblatt vorliege.

In dem Bericht heißt es unter anderem: “Im Wettbewerb untereinander nutzen Krankenhäuser bestehende Anreize für erlös­orientiertes Abrechnen konsequent aus. Für Krankenkassen lohnt sich im Gegenzug eine Ausweitung der Abrechnungsprüfung, weil dadurch noch mehr fehlerhafte Ab­rech­nungen identifiziert und weitere Rückzahlungen erzielt werden können”. Letztlich heißt das, dass bei erhöhter Prüfpraxis der Krankenkassen auch mehr Rückforderungen möglich sind, gleichzeitig verursacht diese Verhaltensweise insgesamt erhöhte Kosten und immer stärker gebundene personelle Kapazitäten auf allen Seiten zulasten der Patientenversorgung.

BRH fordert schärfere Regeln

Geht es nach dem Bundesrechnungshof, sollte der gemeinsamen Selbst­ver­waltung schärfere Vorgaben zugrunde gelegt werden. Es fehlen laut BRH Anreize auf beiden Seiten, die aktuelle Praxis zu ändern. So sollten Krankenhäuser wie derzeit auch die Krankenkassen bei überhöhten Rech­nungen Sanktionen befürchten müssen. Derzeit müssen die Kassen den Kliniken bei ergebnislosen Prüfverfahren eine Aufwandspauschale von 300 Euro bezahlen. Dies hat sich dem BRH zufolge 2016 auf rund 144,5 Millionen Euro sum­miert. Falls ein Prüfverfahren zur Minderung einer Krankenhausabrechnung führt, sollten künftig auch die Kliniken zur Kasse gebeten werden, schlägt der BRH vor. Ziel muss es aus Sicht des BRH sein, ein Abrechnungs- und Prüfsystem zu schaffen, das ein korrektes Abrechnen fördert, ein gegenseitiges Wettrüsten von Kranken­häu­sern und Krankenkassen unterbindet und mit weniger Aufwand beherrschbar ist.

Die Krankenhäuser weisen die Vorwürfe der Falschabrechnung zurück. Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) wirft dem BRH vor, nicht zu verstehen, wie die Zahlen zustande kommen. Was im Papier des BRH fehle, sei die Unterscheidung zwischen Falschabrechnung und strittiger Versor­gungsform, monierte VKD-Präsident Josef Düllings. Er bemängelte erneut die seit langem kritisier­te Fehlentwicklung der Prüfpraxis.

Beim Bundesrechnungshof ist der Bericht online bisher nicht veröffentlicht.

Zum Ärzeblatt-Artikel