Gutachten des G-BA empfielt Neuberechnung der Bedarfsplanung von Ärzten

In einem 810 Seiten umfassenden Gutachten, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in Auftrag gegeben hatte, wird eine grundsätzlich neue Berechnung der Verhältniszahlen zwischen Ärzten und Patienten vorgeschlagen, um die flächendeckende Versorgung künftig zu stabilisieren. Dabei sollen sich die Bedarfszahlen nach dem tatsächlichen medizinischen Bedarf unter Berücksichtigung von Mitversorger­effekten in anderen Planungsbezirken orientieren.

Folgt man der Empfehlung des Berichts, so müssen unter Berücksichtigung der neu berechneten Verhältniszahlen in Deutschland 1.400 weitere Hausärzte eingesetzt werden. Unter Berücksichtigung der Mitversorgereffekte müssten es sogar 4.098 sein. Nach den aktuellen Verhältniszahlen, die noch auf Daten aus dem Jahr 1990 fußen, geht man lediglich von einem Mehrbedarf von 849 Hausärzten aus.

Um die Mitversorgereffekte zu berücksichtigen, sei ein Zirkelschlaf um jeden Patienen gezogen worden und geprüft worden, welche Ärzte er innerhalb einer bestimmten zeitlichen Frist erreichen könne, erklärte Leonie Sundmacher von der Ludwig-Maximilians-Universität München auf der KBV-Herbsttagung. Sie ist eine der Autorinnen des Gutachtens. Dabei seien die Gutachter davon ausgegangen, dass 99 Prozent der Patienten Hausärzte innerhalb von 15 Minuten erreichen müssten, Kinder- und Jugendärzte sowie Frauenärzte innerhalb von 20 Minuten und andere Fachärzte innerhalb von 30 Minuten. Die Mitversorgereffekte zu berücksichtigen, sei sinnvoll, weil so die Mobilität der Patienten langfristig abgebildet werden könne, meinte Sundmacher.

Die KBV gibt sich vorsichtig, was die Bewertung des Gutachtens angeht: „Das Gutachten zeigt: Im Grunde ist die ambulante Versorgung in Deutschland heute gut bis sehr gut“, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Stephan Hofmeister. Er stellt fest, dass die potenzielle Erreichbarkeit der beplanten Arztgruppen für den Großteil der Bevölkerung in Deutschland als sehr gut zu bewerten sei. „Das sollte uns die Leitlinie für jede Veränderung sein“, betonte Hofmeister. „Wenn es einem sehr gut geht, sollte man Änderungen mit Vorsicht vornehmen.“

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