MDK Anfragen steigen stetig an - Fronten weiterhin verhärtet

Die MDK-Anfragen steigen seit einigen Jahren stetig an und belasten so den bürokratischen Aufwand auf beiden Seiten – zuletzt von 2014 bis 2018 um fast 40 % von 1,9 Mio. auf 2,6 Mio. Anfragen im Jahr. Im Ergebnis war jede zweite geprüfte Rechnung falsch und führte zu Rückerstattungsansprüchen, wie der Geschäftsführer des MDK Sachsen, Ulf Sengebusch, am 11. April 2019 auf einer Pressekonferenz des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) und des MDK in Berlin erklärte.

Um diesen starken Anstieg der Arbeitsbelastung gerecht zu werden, wurden im Bereich der Medizinischen Dienste kontinuierlich neue Stellen geschafften. „Die Medizinischen Dienste haben darauf kontinuierlich mit Personalsteigerungen rea­giert“, so Sengebusch. „Im Bereich der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung hat der MDK bundesweit in den vergangen fünf Jahren 109 neue Stellen für ärztliche Gutachter sowie über 200 für zusätzliche unterstützende Codierkräfte geschaffen.“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert diese Entwicklung. „Die Kranken­häuser werden in den letzten Jahren von einem massiven Anstieg der Einzelfallprüfungen heimgesucht“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der DKG, Georg Baum. „Diese haben sich längst von der gesetzlichen Vorgabe, dass nur Auffälligkeiten Prüfun­gen auslösen, abgekoppelt.“ Inzwischen gehe es in der Mehrzahl der Prüfungen eben nicht mehr um Einzelfallprüfung, sondern vielmehr um eine einzelfallunabhängige Systemprüfung. Gegenstand der Prüfverfahren sei in der Regel auch nicht die Qualität der Behandlung und das Wohl des Patienten. „Es geht vielmehr um formale Kriterien“, betonte Baum.

Viele Krankenhäuser und Krankenkassen haben aufgrund des enormen bürokratischen Aufwands inzwischen individuelle Vereinbarungen getroffen, um Neuanfragen in bestimmten Fällen zu verhindern. Diese Vereinbarungen enthalten dafür pauschale Rechnungskürzungen durch die Kassen. Jedoch ist ungewiss, ob solche Vereinbarungen auch künftig noch Relevanz haben werden, da der Bundesrechnungshof diese Verfahren beanstandet hat und ein gesetzliches Verbot etwaiger Einzelabstimmungen empfiehlt. Denn die be­treffenden Kassen kämen ihrer gesetzlichen Pflicht zur Prüfung der Krankenhaus­abrech­nungen nicht nach. Die Vereinbarungen ermöglichten es den Krankenhäusern, sich von Prüfungen durch die Krankenkassen „freizukaufen“

Aus Sicht des MDK werden mit dem aktuellen Prozedere falsche Anreize zum Up- und Falschkodieren gesetzt, da die Krankenhäuser lediglich das Risiko eingehen, dass die Rechnungen auf den „sachlich korrekten Betrag“ gekürzt werden. Was fehlten, seien Strafzahlungen im Falle einer Falschkodierung. Die Krankenhäuser hingegen sehen die Ursache für die Probleme bei den Krankenkassen. „Die DKG appelliert an die Koalitionsfraktion, die angekündigte Reform des Prüfverfah­rens im Krankenhausbereich schnell anzugehen und dabei insbesondere dem Recht der Krankenkassen auf Verrechnung infrage gestellter Rechnungen einen Riegel vorzuschie­ben“, sagte Baum. Zugleich müssten die Einzelfallprüfungen, die das Gesetz vorsieht, so konkretisiert und begrenzt werden, dass tatsächlich nur Auffälligkeiten geprüft werden.

Weitere Informationen