Reformvorschläge für die Krankenhausversorgung in Niedersachsen

In Niedersachsen hat eine eigens eingerichtete Enquetekommission in den vergangenen zwei Jahren Empfehlungen zur Neustrukturierung der Krankenhausversorgung erarbeitet. Am 22. Februar 2021 wurde der Abschlussbericht vorgelegt. Nach den vorliegenden Vorschlägen könnte die Krankenhausversorgung in Niedersachsen grundlegend umstrukturiert werden. Demnach sollten mehr “Maximalversorger” eingerichtet werden, einige Leistungen der rund 170 Krankenhäuser des Landes konzentriert und die Kliniken dann in die drei Stufen Grund-, Schwerpunkt- und Maximalversorger einsortiert werden.

Der Abschlussbericht wird in Kürze auch als digitales Dokument vorliegen und unter diesem Link zu finden sein. Im Folgenden stützen wir uns auf die Aussagen des Deutschen Ärzteblattes. So sollen abseits der Ballungsräume in Zukunft regionale Gesundheitszentren mit Haus- und Fachärzten, aber auch stationären Bereichen das Angebot ergänzen.

Bisher gibt es in Niedersachsen offiziell erst zwei Krankenhäuser, die als Maximalversorger gelten – die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und die Universitätsmedizin Göttingen. Künftig sollen es nach Vorstellung der Kommission sieben sein, namentlich sollen die Häuser in Braunschweig, Oldenburg, Osna­brück, Rotenburg und demnächst Georgsheil in Ostfriesland zum Maximalversorger ausgebaut werden. „Es wird kein Krankenhaus schlechter gestellt, sondern es wer­den mindestens fünf besser gestellt“, sagte SPD-Gesundheitspolitiker Uwe Schwarz. Insgesamt müsse die medizinische Versorgung wie­der stärker vom Patienten her statt wirtschaftlich gedacht werden.

Die kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens und die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) werten den Abschlussbericht als wichtigen Schritt hin zu einer zukunftsfähigen Ausrichtung des Gesundheitssystems. Die Enquetekommission habe mit ihrer Arbeit „wertvolle Impulse für die zukunftsfähige, qualitativ hoch­wertige und patientenorientierte Versorgung gegeben“, betonte Engelke mit Blick auf die Empfehlungen des Expertengremiums. Diese gelte es künftig seitens der politisch Verantwortlichen zu berücksichtigen und umzusetzen.

Kritik kam aus den Reihen des Niedersächsisches Städtetags hinsichtlich der Definition eines “Maximalversorgers”. Aus Sicht des Niedersächsischen Städtetages müsse ein Krankenhaus bereits als Maximalversorger ein­gestuft werden, wenn es mindestens 500 Planbetten habe, sagte Jan Arning, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages.

Die Kommission stellte weiterhin fest, dass zunehmende Bürokratie und unzureichende Digitalisierung personelle Engpässe in den Krankenhäusern verschärften. Daher wird eine Reduzierung des gesetzlich vorgegebenen Ver­waltungs- und Dokumentationsaufwands durch Entbürokratisierung und Deregulierung empfohlen.

Beim Thema Landarztmangel gibt es von der Kommission keine entscheidenden neuen Impulse. Hier wird die viel zitierte Landarztquote, die auch von der niedersächsischen Regierung bereits vor einem Jahr angekündigt wurde, als Mittel der Wahl vorgeschlagen. Das heißt, ein Teil der Medizinstudienplätze soll an Bewerber gehen, die sich verpflichten, später in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten. Auf eine Region festlegen müssen sie sich dafür noch nicht.

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