Stellungnahme des bng zur Einführung der iFOBT-Tests im Rahmen der Krebsvorsorge

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat am 21.04.2016 die Einführung des immunologischen Tests auf Blut im Stuhl (iFOBT) im Rahmen der Krebsvorsorge beschlossen. Dabei wurde festgelegt, dass aus Gründen der Qualitätssicherung nur quantitative Tests mit Auswertung im Labor in die Regelversorgung eingeführt werden sollen. Zu diesem Beschluss und seiner Umsetzung im Bewertungsausschuss hat der bng Stellung genommen:

  • Der FOBT bzw. iFOBT ist ein Thema, das aus fachlicher Sicht für die niedergelassenen Gastroenterologen hohe Bedeutung hat. Auch wenn der FOBT bzw. iFOBT keine Leistung ist, die von Gastroenterologen in relevanter Menge abgerechnet wird, liegt seine Bedeutung im Gesamtkontext der Darmkrebsfrüherkennung und -vorsorge, die natürlich eines der wichtigen Themen/Arbeitsfelder nicht nur unseres Berufsverbandes, sondern der gesamten Gastroenterologie ist.
  • Stuhltests sind nach unserer Auffassung als ein niedrigschwelliges Angebot in zweiter Linie hinter der präventiven Koloskopie eine wichtige Komponente in der Darmkrebsfrüherkennung/-vorsorge.
  • Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Ersatz des FOBT durch den iFOBT eine längst überfällige Maßnahme. Dabei spielt es aus unserer Sicht keine Rolle, ob man einen quantitativen oder qualitativen iFOBT nimmt, vorausgesetzt er ist entsprechend der Anforderungen qualitätsgesichert. Letztlich muss auch der quantitative iFOBT einen Cut-Off-Wert haben, ab dem er positiv ist. Denn halb positiv gibt es nicht! Positiv bedeutet unabhängig davon, wie der Test gemacht und ausgewertet wurde, dass eine Koloskopie obligat durchzuführen ist.
  • Wir bedauern, dass der GBA sich gegen die fachliche Empfehlung z.B. von Prof. Riemann (Stiftung LebensBlicke) ausschließlich für den laborbasierten quantitativen iFOBT entschieden hat. Wir fürchten aber, dass diese GBA-Entscheidung nicht mehr zu ändern ist. Insoweit glauben wir, dass nun KBV und Bewertungsausschuss (BWA) es in der Hand haben, dass die Einführung des iFOBT einen weiteren Fortschritt und Erfolg für die Darmkrebsfrüherkennung werden kann.
  • Die Beratung zur Darmkrebsfrüherkennung ist eine wichtige und anspruchsvolle ärztliche Leistung. Bei der Umsetzung durch den BWA wird entscheidend sein, in welcher Form die Vergütung für die qualifizierte Beratung im Rahmen der Darmkrebsfrüherkennung durchgeführt und honoriert wird und wie in diesem Kontext auch die Durchführung und Honorierung des iFOBT erfolgt. Sollte das Honorar für den iFOBT (der bisher schon vielfach als eine sinnvolle IgEL in Praxen angeboten wird) in die Labore abwandern, würde damit der Darmkrebsfrüherkennung ein Bärendienst erwiesen.
  • Es muss gut überlegt werden, ob bzw. wie der Test über die Praxis des beratenden Arztes zum auswertenden Labor geht und wie bzw. von wem das Testergebnis dem Patienten mitgeteilt wird. Die Übermittlung des Testergebnisses muss in ärztlicher Hand bleiben, damit bei jedem positivem Ergebnis die unbedingt notwendige Beratung und Überweisung zur Koloskopie zuverlässig erfolgt.
  • Es ist selbstverständlich, dass die Beratung zu Krebsfrüherkennung und der iFOBT im Rahmen der Vorsorge als Vorsorgeleistung extrabudgetär zu vergüten sind und der iFOBT nicht auf den Wirtschaftlichkeitsbonus des veranlassenden Arztes angerechnet wird.
    Bei einer klugen Ausgestaltung könne nach Ansicht des bng der quantitative iFOBT als niedrigschwelliges Angebot für die Patienten, die keine Koloskopie wünschen oder wo eine Koloskopie nicht durchführbar ist, einen sinnvollen Platz in der Darmkrebsfrüherkennung bekommen.

Download Stellungnahme