Zukunft der Krankenhausstruktur Deutschlands: Hecken empfiehlt Schließung von 700 Standorten

Bereits vor zwei Jahren wurde empfahl ein Gutachten der Bertelsmann Stiftung, eine Vielzahl der deutschen Krankenhäuser für eine verbesserte Versorgung zu schließen. Im Sommer 2019 hatte die Studie zur Krankenhausdichte in Deutschland für Wirbel gesorgt. Darin wurde vorgeschlagen, die Zahl der Kliniken auf unter 600 zu reduzieren. Die Bündelung von Ärzten und Pflegepersonal sowie Geräten in weniger Krankenhäusern würde zu einer höheren Versorgungsqualität führen, hatten die Autoren argumentiert. Ärztevertreter und Kliniken hatten mit massiver Kritik reagiert. In Zeiten von Corona hat sich die Mehrheit der Deutschen allerdings an den Gedanken gewöhnt, dass es niemals genug Intensivbetten geben kann. Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), holte das Thema in einem aktuellen Interview nun zurück auf die Agenda und wies einmal mehr auf den Standpunkt der Experten hin. Demnach sei jedes dritte Krankenhaus in Deutschland überflüssig, weniger wäre für die Patienten dabei sogar oft mehr.

Hecken fordert eine grundlegende Reform der Krankenhausversorgung, so Hecken vergangenen Samstag (3.7.21) in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Zur Umsetzung wäre wohl eine Änderung im Grundgesetzt notwendig. Die fordert Hecken, um den Ländern die Planungshoheit für die Krankenhäuser zu entziehen. Dann könne die Zahl der Kliniken von 1900 auf 1200 reduziert werden. Auch der Spitzenverband der Krankenkassen sieht Reformbedarf. Dies sei durch die Corona-Krise deutlich geworden. “Die Corona-Krise hat gezeigt, dass der Reformbedarf bei der Krankenhausversorgung nicht irgendwie theoretisch ist, sondern ganz akut.” so der Spreche des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Florian Lanz. Nötig seien demnach unter anderem die Sicherung der Versorgung auf dem Land, mehr Spezialisierung für besonders schwere Fälle und insgesamt deutlich bessere Bedingungen für die Pflege.

Dass die Länder die Planungshoheit abgeben sollten, wird damit begründet, dass zwar jedes Land seine Krankenhäuser erhalten wolle, die Länder insgesamt aber mit rund 3 Milliarden Euro einen nur sehr kleinen Teil zur Finanzierung beitragen. Insgesamt beliefen sie die Kosten auf rund 94 Milliarden Euro, davon kamen 80 Milliarden von den Krankenkassen und weitere 11 Milliarden vom Bund. Hecken kritisierte, dass es bei dem Wunsch nach Erhaltung der Strukturen nicht immer um das Wohl der Patienten gehe.

Hecken empfiehlt, dass Kliniken künftig die Arbeit klüger untereinander aufteilen sollten. Dabei sollten sich kleinere Krankenhäuser auf dem Land auf einfache Eingriffe beschränken, während anspruchsvolle Operationen nur in darauf spezialisierten Zentren durchgeführt werden sollten. „Das wäre gut für die Wirtschaftlichkeit und für die medizinische Qualität.“, so Hecken.

 

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Quellen